Manchmal liegt in der Tragik doch auch ein Quentchen Positives. Nehmen wir den an sich tragischen Tod von Dr. Klestil. Wenige Tage vor Ende seiner Amtszeit plötzlich verstorben. Und so war es ihm nicht vergönnt, den Dank für seine Arbeit zu ernten, die Anerkennung seiner MitstreiterInnen, politischen GegnerInnen und seiner Landsleute persönlich entgegen zu nehmen; den Abschied zu genießen - wenn auch sicher mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Aber betrachten wir die Sache von einer anderen Seite. Die Mächte, die das Schicksal spinnen, welchen Namen man ihnen auch immer geben mag, hatten beschlossen, dass Dr. Klestils Zeit abgelaufen war. Wenn es also schon sein musste, kann man es dann nicht als positiv sehen, dass es noch während der aktiven Zeit geschah? Was wäre gewesen, wenn es erst etwas später geschehen wäre? Auch wenn es vielleicht etwas zynisch klingt (und es sicher nicht zynisch gemeint!): Dieser Zeitpunkt des Todes birgt doch auch ein bisschen Positives in sich.

Erinnern wir uns: Ganz Österreich verfolgte die letzten Stunden des Bundespräsidenten mit. Alle Medien hatten ihre ganze Kraft auf die Berichterstattung über den Kampf der ÄrztInnen um das Leben von Dr. Klestil konzentriert. Alles, was er je für Österreich getan, geleistet hat, ging durch Fernsehen, Rundfunk und Presse. Die Person und das Leben, das offensichtlich ganz im Zeichen des Einsatzes für sein Land stand, erfuhren eine großartige und vermutlich verdiente Würdigung.

Was wäre gewesen, hätten die Schicksalsmächte noch zwei Wochen gewartet? Diese mediale Aufmerksamkeit wäre wahrscheinlich nicht mehr gegeben gewesen. Eine Nachricht von der Einlieferung in's Krankenhaus, Wiedergabe der ärztlichen Bulletins, schließlich die Todesnachricht mit entsprechendem Nachruf. Dazu ein paar Interviews mit PolitikerInnen, dem Amtsnachfolger. Tragisch, aber nicht zu ändern, der Ex-Präsident konnte seinen Ruhestand nicht lange genießen.

Es ist halt schon so: Um im Tod öffentliche Beachtung zu finden, um zur Legende zu werden, muss man nicht nur tragisch abtreten, sondern zur aktiven Zeit, auf dem Höhepunkt der Karriere, des Ruhmes. So gesehen haben die Schicksalsmächte Dr. Klestil vielleicht einen letzten Dienst erwiesen.

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